Als feste wissenschaftliche Größe gilt, dass die ersten Siedler Amerika über die in der letzten Eiszeit zugefrorene Beringstraße erreichten (siehe Meldung vom 24.05.2005). Der früheste Zeitpunkt wird vor etwa 14.000 Jahren angeben und muss möglicherweise nun um 1.000 Jahre nach vorn verlegt werden. Neue Funde in einer vor 30 Jahren entdeckten Grabungsstelle in Monte Verde, Chile belegen, dass dort bereits vor 12.000-13.000 Jahren eine kleine Gruppe Menschen lebte. Ein Forscherteam um Tom Dillehay von der Nashville University, USA fanden jetzt Reste von essbaren und medizinisch nutzbaren Meeresalgen in den Sedimenten. Das Meer ist aber heute 16 km von der Fundstätte entfernt. Damit kamen die Forscher zu dem Schluss, dass die damaligen Bewohner möglicherweise nicht nur zu Fuß, sondern per Boot ans Meer unterwegs waren, um die Algen zu sammeln.
Daraus ergibt sich deren weitere Annahme, dass Südamerika möglicherweise nicht oder nicht nur über den Landweg, sondern vom Boot aus entlang der Küste besiedelt wurde. Damit würden auch die Ergebnisse linguistischer und genetischer Untersuchungen bestätigt werden. Funde, die diese Annahme schlüssig untermauern, gibt es aber bisher noch nicht.
(Quelle: Balter M: (2008) Ancient Algae Suggest Sea Route for First Americans, Science 9.5.08)
Persönliche Anmerkung P.Seehafer:
Möglicherweise war aber auch einfach der Meeresspiegel nach der
Eiszeit so viel höher, dass die Strände damals nicht so weit entfernt
lagen, sondern Monte Verde eine Küstenstadt war. Ähnliche Annahmen
gibt es im südlichen Afrika/Namibia, wo weit von der Küste entfernte
Felsritzungen Meerestiere darstellen.
Das spricht nicht gegen eine frühere Besiedlung oder eine per Boot,
lässt aber auch Spielraum für Wanderungsbewegungen über das Festland zu.