Thor Heyerdals Theorien von neuen Erkenntnissen überholt

Auf M'buke, einer Insel Papua Neu Guineas haben Archäologen des Moesgaard Museums bei Århus ein weibliches Skelett unter einer Schicht Scherben gefunden. Es ist das älteste Skelett, was in der gesamten Region jemals gefunden wurde. Es wird vermutet, dass es sich um einen ehemaligen Friedhof handeln könnte, weil die Skelettreste unterhalb einer 2.000 Jahre alten Scherbenschicht lagen. Nach den Grundregeln der Ausgrabung sind demzufolge die Knochen mindestens so alt wie die darauflagernden Keramikreste. Eine genaue Datierung am Skelett vorzunehmen, ist wahrscheinlich nicht mehr möglich, da die Knochen schon abgekocht waren. Polynesien blickt auf eine Kultur mit kanibalistischen Ritualen zurück. Dennoch gleicht der neue Fund einer Sensation. Im Gegensatz zu Scherben kann ein menschliches Skelett über die Lebensweise, Krankheiten, und Essgewohnheiten Auskunft geben.

Die Bewohner von M'buke gehören zum Lapitavolk, den sogenannten "Wikingern des Stillen Ozeans", weil auch ihre Ahnen die Inseln über den offenen Ozean besiedelten. Das ist insofern spannend, weil auch hier Menschen einer "Bauernkultur" allein mit dem Wind über den (Stillen) Ozean reisten.

Dieses Skelett kann möglicherweise über die größte Völkerwanderung der Weltgeschichte Zeugnis ablegen. Alles deutet darauf hin, dass es der Schlüssel zum Verständnis einer Wanderungsbewegung von Asien ausgehend in Richtung Stiller Ozean vor 2.000-3.000 Jahren sein könnte. Damit wäre gleichzeitig eine Theorie Thor Heyerdals hinfällig, nach welcher die polynesische Kultur der Inseln im Stillen Ozean aus Lateinamerika, also aus der entgegengesetzten Richtung stamme. Die Region Polynesiens ist etwa so groß wie Nordeuropa und noch archäologisches "Pionierland". Das macht die Forschung dort besonders aufregend.