Weibliches Becken eines Homo erectus führt zu Spekulationen

Der Fossilfund eines 1,2 Millionen Jahre alten weiblichen Beckens in Äthiopien (Gona-Frau) verführt durch seine Form zu wilden Spekulationen. Die Frauen des Homo erectus seien nur etwa 1,40 m groß gewesen, ihr Becken aber proportional und absolut viel größer als das des Homo sapiens heute. Das verleitete Paläontologen um Scott Simpson von der Case Western Reserve University in Cleveland, Ohio zu der Annahme, die Neugeborenen damals könnten einen größeren Kopfdurchmesser gehabt und eine intrauterin stärkere Ausreifung des Gehirns aufgewiesen haben. Es legt die Vermutung nahe, dass sie bereits nach der Geburt mehr Fähigkeiten besaßen als Neugeborene heute. Da es aber keine Funde von Neugeborenenschädeln gibt, bleibt dies eine Vermutung, die ich persönlich für wilde Spekulation halte. Wenn wir uns unsere nächsten Verwandten, die Menschenaffen ansehen, gibt es dort kein annähernd ungünstiges Verhältnis zwischen dem Kopf des Neugeborenen und dem mütterlichen Becken, durch das es hindurch muss, wie beim Menschen. Vielleicht gab es vor langer Zeit einfach auch nur ein großzügigeres Verhältnis zwischen Geburtsweg und kindlichem Kopf bei unseren Vorfahren. Bliebe eher zu untersuchen, warum es sich in eine so ungünstige, knapp ausgerichtete Version entwickelt hat und welcher evolutioäre Vorteil sich daraus ergab.