Das Bild des Neandertalers wandelt sich immer mehr

Neandertaler sind die engsten Verwandten des modernen Menschen. Ihre Jagdkunst stand nach neuesten Erkenntnissen denen des homo sapiens sapiens in nichts nach. Seit der Entdeckung der ersten Überreste vor 150 Jahre suchen Wissenschaftler nach schlüssigen Erklärungen zum Aussterben des homo sapiens neanderthalensis.

Mal schienen die ungeschickteren Hände, mal die fehlenden Werkzeuge, mal die fehlende Sprachmöglichkeit des Neandertalers zu seinem Aussterben geführt zu haben. Die Arbeitsgruppe um Daniel Adler von der University of Conneticut in Stors, USA untersucht seit vielen Jahren die Ausgrabungen im südlichen Kaukasus (Interview mit BBC 27.3.06). In 40.000 Jahre alten Schichten wurden dort Werkzeuge gefunden, die die bisherigen Vermutungen nicht bestätigen (Meldung vom 11.09.2001, Soziale Netzwerke bei Neandertalern). Aufgrund der jetzt vorliegenden Befunde muss davon ausgegangen werden, dass Neandertaler wohl organisiert in der Gruppe, jahreszeitlichen Bedingungen angepasst und mit entsprechenden Werkzeugen bzw. Waffen jagten. Das erforderte nicht nur ein hohes Maß an Kommunikation sondern auch handwerkliche Geschicklichkeit bei der Herstellung von Speeren und jagdtechnisches Können. Speerspitzen und Abschläge wurden an den Fundstellen ebenso entdeckt, wie Knochenreste gesunder, ausgewachsener Ziegen, die als Nahrung dienten. Zusätzlich verstärken nachgewiesene Anteile in den Neandertalerknochen, dass ein Großteil ihrer Nahrung aus Fleisch bestand. Sie mussten gute Jäger sein, anders ließe sich der hohe Fleischkonsum nicht erklären. Demnach ernährten sie sich nicht ausschließlich von zufälligen Aasfunden, was von vielen Wissenschaftlern noch angenommen wird. Es gibt keine Nachweise, dass der Neandertaler ein schlechterer oder besserer Jäger als der moderne Mensch gewesen sein könnte.

Das erklärt aber nach wie vor ihr Aussterben nicht. Zwischen den Überresten der letzten Neandertaler und denen der ersten modernen Menschen findet sich im Kaukasus eine Fundlücke von ca. 1000 Jahren. Damit scheidet die bisher propagierte Hypothese aus, dass sie sich begegneten und der moderne Mensch seinen Verwandten ausrottete.