Im Sandstein in der Nähe des Dorfes Herto in der Afar-Provinz wurden die ersten Fragmente von drei mehr oder weniger gut erhaltenen Schädeln gefunden, die einmal zu zwei Erwachsenen und einem Kind gehörten. Die drei Schädel stammen genau aus der Übergangszeit zwischen Vormenschen und modernen Menschen. Aus diesem Abschnitt, der 300.000 bis 100.000 Jahre zurückliegt, fehlten bislang Übergangsfossilien. Bei diesen 160.000 Jahre alten Fossilien handelt es sich um moderne Menschen. Weil sie noch einige primitivere Merkmale tragen, wurden sie homo sapiens Unterart Idàltu genannt, was in der Afar-Sprache den älteren Mann bezeichnet. Demnach haben sehr enge Verwandte der heutigen Menschen schon 60.000 Jahre früher als bislang angenommen, in Ostafrika gelebt.
Dieser neue Knochenfund aus Äthiopien stützt nun Afrikas Anspruch, den Homo sapiens allein hervorgebracht zu haben. Die Theorie vom rein afrikanischen Ursprung des Homo sapiens hatten zuletzt genetische Untersuchungen gestützt: Aus Veränderungen im menschlichen Erbgut schlossen Forscher auf eine "Eve" genannte Urmutter, die vor 150.000 Jahren in Afrika gelebt haben soll. Die bislang ältesten Fossilien moderner Menschen, die 1969 in der israelischen Qafzeh-Höhle gefunden wurden, sind schätzungsweise um die 100.000 Jahre alt.