Fossilfund simplifiziert Stammbaum

Der Mensch hat sich durch Wanderungen über die Welt ausgebreitet und auf solchen Zügen verschiedene Kulturtechniken wie den Ackerbau verbreitet. Berliner Mikrobiologen vom Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie haben jetzt einen treuen Begleiter des Menschen benutzt, um Wanderungen nachzuvollziehen: das Magenbakterium Helicobacter pylori. 370 Bakterien wurden aus allen Gegenden der Erde isoliert und in einem bestimmten Abschnitt ihres Erbguts verglichen. Die Bakterien aus verschiedenen Kontinenten sind genetisch unterschiedlich. Und sie haben eine bestimmte geografische Verteilung haben. Die Forscher sind dabei auf fünf Urpopulationen gekommen.

Die modernen ostasiatischen Bakterien kommen aus einer urostasiatischen Population. Die modernen afrikanischen kommen aus zwei urafrikanischen Populationen. In Europa gibt es keine einzelne Urpopulation, sondern zwei, die sich vermengt haben, um einen Hybriden herzustellen. Die eine kam vermutlich aus dem Nahen Osten und wurde mit der Landwirtschaft eingeführt. Die zweite scheint aus Zentralasien gekommen zu sein und hat einen Zusammenhang mit den finno-ugrischen Sprachen im Nordosten Europas, dem Finnischen oder dem Estnischen. Und diese zwei Urpopulationen haben sich in Europa so vermengt, dass kein Einziges der heutigen Isolate eine Abstammung hat, sondern alle haben Komponenten von beiden Urpopulationen. Bisher wurden die bekannten Völkerwanderungen genutzt, um die heutige Verteilung der Bakterien zu deuten. Und in Zukunft sollen die Bakterien benutzt werden, um Völkerwanderungen aufzuschlüsseln.