Historische Genetiker klären eine historische Streitfrage. Im Kaukasus leben drei unterschiedliche Völker mit drei sehr stark voneinander abweichenden Sprachen auf engem Raum zusammen: Die christlichen Armenier, die türkisch-muslimischen Aserbaidschaner sowie die Kaukasier, die weder zur indoeuropäischen noch zur türkisch-arabischen Sprachfamilie gehören. Bislang wurde angenommen, dass die drei Gruppen vor Jahrtausenden im Kaukasus aufeinander trafen, was bis heute zu Spannungen führt. Mit einer schlichten Einweg-Zahnbürste entnahmen die Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie auf der Exkursion ihre Genproben von der Innenseite der Wange.
Zurück im Leipziger Labor wurden dann die Proben untersucht. Stoneking und seine Kollegen kamen zu überraschenden Schlüssen: "Die kulturell sehr unterschiedlichen Armenier und Aserbaidschaner sind sehr eng miteinander verwandt, obwohl die Aserbaidschaner andererseits den Türken sprachlich und kulturell nahe stehen." Demnach seien die Sprachen und die verschiedenen Kulturen durch äußere Einflüsse in den Kaukasus gekommen und trafen dort auf eine Urbevölkerung, die dort heute noch lebe. In den letzten 2000 Jahren hätten sich Sprache und Kultur dann auseinander entwickelt - in einem Fall zum Armenischen, im anderen zum Aserbaidschanischen.