Alte Affen-Ahnen

Der gemeinsame Ahn aller heute lebenden Menschen und Affen lebte möglicherweise etwa 20 Millionen Jahre früher als aus Fossilfunden bislang geschlossen wurde. Demnach wären die Primaten nicht erst vor etwa 63 Millionen Jahren erschienen, sondern bereits vor über 81 Millionen Jahren. Diese Schätzung stammt von einem Team um Robert Martin vom Field Museum in Chicago, das für seine neue statistische Methode nicht nur die wenigen Primaten-Fossilien berücksichtigten, sondern weitere Daten, wie die Zahl der noch existierenden Affen-Arten.

Die ersten Primaten wären demnach für etliche Millionen Jahre Zeitgenossen der Dinosaurier gewesen und nicht erst nach deren Ende (vor 65 Millionen Jahren) entstanden. Nach den neuen Schätzungen liegt die Zahl der Affen-Arten, die jemals existierten, bei 8000 bis 9000. Von lediglich sieben Prozent wurden bislang Fossilien gefunden. "Es ist, als hätten die Paläontologen versucht, mit nur 50 Teilen ein 1000-Teile-Puzzle zu rekonstruieren", erklärt Robert Martin vom Field Museum in Chicago. Aus den bekannten Fossilien, die vor allem auf der Nordhalbkugel entdeckt wurden, wurde geschlossen, dass die Ur-Affen während des Paläozens vor 65 bis 55 Millionen Jahren dort entstanden seien. Die Forscher vermuten nun, dass sich die Primaten bereits viel früher auf den südlichen Kontinenten entwickelten.

Die Fossilien, die diese Annahme stützen würden, fehlen, weil damals wie heute die Primaten tropische und subtropische Verhältnisse bevorzugten, Die Knochen der relativ kleinen Tiere erhielten sich im tropischen Klima kaum. Wie das Field Museum in Chicago meldete, hat die neue Analyse-Methode auch Konsequenzen für den Stammbaum des Menschen: Demnach hätten sich die Ahnen des Homo sapiens von denen des Schimpansen nicht erst vor fünf sondern bereits vor acht Millionen Jahren getrennt.

(Nature, Bd.416, S.726, 2002).