Gefallener Mythos vom kerngesunden, langlebigen Indianer

Die landläufige Meinung, nach welcher die Indianer keine Seuchen kannten und gesundheitlich in bester Verfassung waren, bis Columbus den Kontinent entdeckte, widerspricht neuen Erkenntnissen. Diese widersprechen aber nicht dem Wissen um Epidemien mit schweren Verlusten, weil sie sich der eingeschleppten Krankheiten nicht erwehren konnten. Insbesondere Pocken, Masern, Malaria und Gelbfieber hatten zahllose Opfer gefordert.

Eine Untersuchtung von 12.500 Indiander-Skeletten an 65 Fundstätten auf beiden Kontinentteilen Amerikas ergab, dass die Ureinwohner unter Infektionen, Unter- und Fehlernährung litten. Die Forscher entdeckten überraschend viele Spuren von Gelenk- und Zahnproblemen, Wachstumsstörungen und Anämie sowie von Traumata durch Verletzungen oder Gewalteinwirkung. Sie fanden heraus, dass das Durchschnittsalter bei etwa 35 Jahren lag. Am gesündesten seien die Ureinwohner Brasiliens gewesen, und zwar rund 1.200 Jahre vor Columbus. Die bald darauf einsetzenden Probleme führen sie vor allem auf die Auswirkungen von Landwirtschaft und Städtebildung zurück.

(Quelle: Steckel, R. & Rose, J. "The Backbone of History: Health and Nutrition in the Western Hemisphere" / Das Rückgrat der Geschichte: Gesundheit und Ernährung in der westlichen Hemisphäre)