Persönliches Statement

Paris, Frankreich „Musée du quai Branly"

Musée du quai Branly

Direkt neben dem Eiffelturm liegt das Musée du quai Branly. Das Gebäude wurde von Jean Nouvel entworfen und ist architektonisch sehr spannend angelegt. Nicht nur der Bau, sondern auch die Gartengestaltung lädt zum Verweilen ein. Die Ausstellungsebenen sind barrierefrei, alle anderen Ebenen sind mit einem Fahrstuhl für Menschen mit Handicap sehr gut erreichbar. Die räumliche Gestaltung hat ein bißchen so einen IKEA-Effekt. Der Besucher wird forciert an allen Ausstellungsstücken vorbeizukommen. Es gibt nur wenige Abkürzungsmöglichkeiten, was für Besucher deren Geduld noch nicht oder nicht mehr reicht, sehr ermüdend ist. 

Dieses Museum beinhaltet die Kunst der Völker aus Afrika, Asien, Ozeanien und Nord- und Südamerika. Die ständige Ausstellung beinhaltet etwa 3500 Stücke. Eine Bibliothek, eine Onlinedatenbank und ein ethnologisches Forschungsinstitut ermöglichen dem Besucher, sein Wissen über diese Künste zu vertiefen.

Der Kunstparcour führt durch alle Kontinente der Erde. Die Ausstellungsebene ist ein großer offener Raum, der durch mannshohe organisch geformte  und mit dünnem Leder bezogene Wände unterteilt wird. Sie lassen sich toll anfassen und verbreiten eine warme Stimmung in der kühlen Architektur. Plastiken, die über diese Trennwände hinausragen, erzeugen die Neugier, das auch noch ansehen zu wollen. In den Wänden befinden sich Banknischen mit Video- und Multimediainstallationen. Sie zeigen verschiedene kurze Filmsequenzen oder Fotos zu bestimmten rituellen Handlungen, als einem Ausdruck von Kunst. Das ermöglicht den Besuchern einen Einblick in sonst nur Fachleuten vorbehaltene Dokumente.

Sehr spannend fand ich, dass die klassischen Museumsaufgaben, Sammeln und Bewahren, öffentlich sichtbar sind. Der größte Teil einer Museumssammlung ist klassischerweise in einem dunklen Archiv eingelagert. Im Musée du Quai Branly ist beispielsweise die Musikinstrumentensammlung in einem runden Turm über mehrere Ebenen sichtbar.

Mag sein, dass sich dem normalen Besucher die Unterschiede zwischen einer Flöte aus Afrika und einer aus Nordeuropa nicht gleich erschließen. Für Wissenschaftler bilden umfangreiche Sammlungen die Grundlagen ihrer Arbeit. Museen haben nicht primär die Aufgabe ihre Sammlungen auszustellen. Ausstellungen sind häufig eine Form der Öffentlichkeitsarbeit, um die Forschung im Feld und im Archiv zu legitimieren und zu finanzieren.

Der Anspruch mit einem belehrenden Völkerkundemuseum nichts mehr gemeinsam zu haben, gelingt teilweise sehr gut. Wenn in einem Museum kostbare alte Stücke ausgestellt werden, mag es sein, dass man um Glaskästen nicht herum kommt. Allerdings sind fünf Paar balinesische Ohrringe nebeneinander eben nur für den Fachmann spannend, der die Unterschiede zeit- und kulturgeschichtlich einordnen mag. 

Es geht in den Ausstellungen weniger um einen wissenschaftlichen Ansatz als um ein Kulturerlebnis. Für den normalen Museumsbesucher wäre es viel spannender und auch wirklich interaktiv, sich mal in ein indisches Gewand wickeln zu können oder den Festtagsschmuck eines Prärie-Indianers anzulegen. Dafür müssen nicht die wertvollen Museumsstücke herhalten. Billige Imitationen würden völlig ausreichen, aber wirkliche Empathie und eine Riesenbegeisterung hervorrufen.

Das Museum ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber erst ein kleiner. Nichts desto trotz bieten sich dem interessierten Besucher sehr spannende Ausstellungstücke, wie beispielsweise ein Schlafsack in einer ausgehöhlten Seehundshaut.

Musée du quai Branly

Zum Seitenanfang Zum Seitenanfang