
Die Ausstellung umfasst neben Präperaten der Neu- und Altweltaffen, Bobby, dem legendären Gorilla und anderen Primaten, denen aufgrund des Alters schon langsam die Haare ausgehen, drei neue Schaukästen zur Menschwerdung und einige Stellwände mit künstlerischen Zeichnungen zur Lokomotion von Primaten.
Die
Schaukästen sind sehr übersichtlich gestaltet, im ersten ist die Körperhaltung des Menschen im Vergleich zum Schimpansen anhand des
Skeletts verdeutlicht. Ein Röntgenbild und eine Plastik je einer menschlichen und einer Schimpansenhand könnte verdeutlichen, warum ein
Schimpanse einen Stift nur halten kann wie ein Kleinstkind oder warum sich Menschen anders auf dem Handballen abstützen können als unsere
nächsten Verwandten. Das ist aber leider nirgends erklärt.
Im zweiten Schaukasten wird immer noch der im Sand buddelnde Afrikaner als Sinnbild für paläoanthropologische Arbeit und unsere afrikanische Herkunft herangezogen. Der aufgezeigte Stammbaum reicht nicht mal bis zu den bisher bekannten Wurzeln zurück. Das fällt allerdings nicht so sehr auf, weil die erklärende Schrift weiss auf blauem Grund so eng und klein gesetzt ist, dass die Besucher darüber klagen, sie sowieso nicht lesen zu können.
Die Stellwände im Inneren des Primatensaals sind durch die vorgegebene Architektur des Raumes so schlecht beleuchtet, dass die Besucher sie umgehen, ohne drauf zu sehen. Die Zeichnungen von Niggi Heeb sind sehr schön, werden aber von den Besuchern als zu spezialisiert empfunden, was durch die Verwendung lateinischer Begriffe noch verstärkt wird.
Die Schautafeln
zum Oreopithecus sind ebenfalls für Besucher mit speziellem Fachwissen gestaltet. Die Frage ist, ob ein Museum nicht vorrangig ein anderes Publikum anzieht,
nämlich jenes, welches ohne Vorwissen sich im Museum leicht verständlich informieren will. Nach Auskunft einiger Besucher und von Museumsmitarbeitern
haben sie die Botschaften dieser Ausstellung nicht verstanden und finden nach wie vor die ausgestopften Affen am spannendsten. Schade eigentlich.
Dabei ist das Museum gut besucht und könnte ein wenig dazu beitragen, die Menschwerdung so zu erklären, dass nicht alte Klischees bedient werden und neue Verständnisprobleme auftauchen. Leider kann ich nicht empfehlen diese Ausstellung zu besuchen, wenn man etwas über die Anthropogenese wissen möchte, es ist zu spärlich und lohnt den Aufwand der Anreise nicht.
Peggy Seehafer 11.12.2000